06:29 | Hannah Marie Fink

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Ich bewunderte, während ich dastand und hinausblickte, die Künstlerin Marina Abramović, die im Rahmen einer Performance jeden Tag viele Stunden lang im Museum auf einem Stuhl saß und präsent war.
Tag für Tag kamen viele Besucher*innen, die ihr gegenüber Platz nahmen und zu denen sie Blickkontakt hielt. In meinem Blickfenster hingegen war kein Mensch zu sehen, noch nicht einmal zu hören.

(…)

Vielleicht ist diese Stunde genau, was ich gebraucht habe.
Innezuhalten, zur Ruhe zu kommen, zu verstehen: es rennt mir nix davon.
In einer Stunde passiert nix, außer dass es ein bisschen heller wird.
Auch in einer Stunde blühen die weißen Blüten noch, nur vielleicht noch schöner.
Das Sonnenlicht strahlt sie noch intensiver an und sie wirken noch kräftiger und lebendiger.
Ich hab also Zeit, wir haben Zeit.
Eine schöne Aussicht.

© BegleiterInnenfoto: Katrin Peyker