The Graz Vigil

© La Strada Graz / Martin Hauer

„The Graz Vigil“ wieder im Shelter am Schloßberg!

Seit nunmehr einundzwanzig Wochen ist der hölzerne Shelter auf der Stubenbastei am Grazer Schlossberg sichtbar. Am Abend des 4. Mai hatte die 250ste TeilnehmerIn zu Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang über der Stadt gewacht.

In nie dagewesener Form hat ein Virus die ganze Welt in seinen Bann genommen. Mit den COVID-19 Schutzmaßnahmen der Bundesregierung ab 16. März hatten wir alle TeilnehmerInnen und deren BegleiterInnen gebeten, ihre Vigil-Stunde von zu Hause aus zu halten. So entstand durch deren Aufzeichnungen ein Tagebuch, das Zeugnis von dieser für uns alle herausfordernden Zeit ablegt und dem Projekt eine ungeahnte weitere Dimension verleiht. Damit wurde eine ganz besondere Brücke gebaut, über die schwierigste Phase dieser Unsicherheit. Herzlichen Dank dafür an alle Beteiligten!

Ab Dienstag, 14. April werden nun diese Einschränkungen stufenweise zurückgefahren, beginnend mit der Öffnung kleiner Geschäfte.

Mit diesem Tag haben wir in Abstimmung mit Joanne Leighton nun auch „The Graz Vigil“ in den ursprünglichen Modus gebracht und begleiten die TeilnehmerInnen wieder in den Shelter am Schlossberg.  Wir denken, dass unser gemeinsames und verbindendes Projekt sich hervorragend dazu eignet den Weg zurück in eine Welt nach Corona einzubegleiten. Selbstverständlich ist für entsprechenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen gesorgt. Auch Gesichtsmasken werden vor Ort zur Verfügung stehen. Es begegnen einander zwei Menschen am Schloßberg – mit angemessenem Abstand – sie begegnen dabei aber auch einer ganzen Stadt und die ganze Stadt begegnet ihnen.

Schau auf dich, schau auf mich, lautet gerade das Mantra in der Corona-Zeit.” schreibt Bernhard Fink, einer der Home-Vigils in seinem Blog Beitrag von vergangenem Samstag.

Das passt ganz gut zu „The Graz Vigil“. Von 1.1. bis 31.12.2020. Jeden Tag. Morgens und Abends. Zu Sonnenaufgang und zu Sonnenuntergang.

 

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Wir waren schon sehr früh getrieben von der Leidenschaft, die Kunst zu den Menschen zu bringen. Unser Interesse galt immer jenen künstlerischen Arbeiten, die sich mit dem Ort und seinen BewohnerInnen auseinandersetzen. Aus diesem Drang heraus wurde das Festival La Strada ins Leben gerufen. Zwei Jahrzehnte der Weiterentwicklung liegen nun bereits hinter uns. Die Generation jener Kinder, die La Strada in seiner Geburtsstunde miterlebt haben, ist heute erwachsen und für sie ist das Theater in den Straßen und auf den Plätzen ihrer Stadt zum Selbstverständnis geworden – ein fruchtbarer Nährboden, stetig neues Terrain zu erobern.

Community Art-Projekte spielen dabei eine wesentliche Rolle. Die vielfältigen Lebensrealitäten der Menschen und die dahinter verborgenen Geschichten werden zur poetischen Grundlage der künstlerischen Produktionen. Die Kunst der Gemeinschaft im Blick, verwirklicht La Strada im Kulturjahr 2020  The Graz Vigil  der belgisch-australischen Choreografin Joanne Leigthon,  das wir seit geraumer Zeit voller Leidenschaft und Engagement vorbereiten. 732 GrazerInnen werden zu Protagonistinnen und Protagonisten ihrer eigenen Stadt. Von 1. Jänner bis 31. Dezember 2020 sind sie eingeladen, für je eine Stunde zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, vom Schlossberg auf Graz zu blicken. Die speziell für das Projekt gestalteten Architektur von Tovo&Jamil entsteht in Zusammenarbeit mit Alexander Krischner und Dank langjähriger Kooperationen wie jene mit der Technischen Universität Graz, der Unterstützung behördlicher FachexpertInnen und lokalen Partner.

Das Dorf in Graz Reininghaus – Aufbruch in neue Stadtteile

Der Bevölkerung Partizipation auf Augenhöhe zu ermöglichen, den Grad der Mitgestaltung ihres Lebensraumes zu erhöhen und gemeinsam nach Antworten auf die Fragen möglicher Formen des Zusammenlebens zu finden – das alles sieht La Strada als Motor von Stadtentwicklung und Transformation. In Stadtbezirken, in denen La Strada noch nie war. Oder in jenen, die sich gerade im Wandel befinden. Wie in Graz Reininghaus, wo La Strada seit 2006 mit Produktionen wie jener von KompleXKarphanäum die Geschichte des Ortes und der Menschen lebendig macht oder jener der französischen Compagnie Rara Woulib und dem Publikum bis in die Morgenstunden tanzt. Im historischen Herzen des neuen Stadtteils für 10.000 Menschen, in der denkmalgeschützten Tennenmälzerei, arbeiten wir an der Realisierung eines Community & Creation Centers für innovative Produktionen, lokal verwurzelt, international von Bedeutung.

Im Kulturjahr wird die Tennenmälzerei zu einem Ort der Imagination des (Un-) Möglichen. Das mehrwöchige Projekt der Künstlerin Danae Theodoridou WHAT IF…? fragt nach dem, was zukünftig möglich und gegenwärtig vorzufinden ist, was wir bewahren wollen oder eben nicht. Es fragt nach der Meinung Vieler. Ein temporäres Versuchs- und Kreationslabor, das sich im öffentlichen Raum in der temporären Architektur Das Dorf ausdehnt. Dies kann Treffpunkt, Projektions- und Präsentationsfläche für die Communities vor Ort sein und Raum schaffen für diskursive Projekte mit Zugang für alle, so auch die 1-monatige partizipative Living Newspaper.

Die Lust am Entdecken neuer Perspektiven, das Ausloten großer Themen unserer Zeit und die Suche nach künstlerisch zeitgemäßen Ausdrucksformen – all das ist seit jeher unser Antrieb.

 

Werner Schrempf
Künstlerischer Leiter, La Strada Graz