Kreation

Temporäre Installation The Graz Vigil © Foto/Design: Tovo+Jamil in Kooperation mit Alexander Krischner

Partizipative Performance für eine ganze Stadt

„The Graz Vigil“, eine Kreation von WLDN / Joanne Leighton,nach dem Design von Tovo+Jamil, lädt 732 BewohnerInnen von 1. Jänner bis 31. Dezember ein, jeweils eine Stunde lang zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang am Grazer Schlossberg über der Stadt zu wachen. Jeder der TeilnehmerInnen ist Teil einer Choreografie für eine ganze Stadt.

Die Stunde in der temporären Rauminstallation über den Dächern von Graz gibt den BewohnerInnen die Gelegenheit, ihre Stadt neu und aus einer anderen Perspektive zu entdecken und eine Stunde lang aus dem Alltag herauszutreten, um sich auf ein neues Erleben des eigenen Umfeldes einzulassen. Und dabei herauszufinden, ob hier eigentlich die WächterInnen auf die Performance der Stadt oder der Mensch in der Stadt auf die Performance der WächterInnen schaut.

Nach der Stunde der Stille sind die TeilnehmerInnen eingeladen, ihre Gedanken und Erlebnisse während ihrer Zeit in der eigens dafür kreierten Rauminstallation am Schlossberg aufzuschreiben. Das Design des Shelter entstand in enger Zusammenarbeit mit Alexander Krischner und der Architekturfakultät der Technischen Universität Graz und in intensiver Auseinandersetzung mit dem besonderen Ort selbst.

Sich über die persönlichen Erfahrungen und Gedanken mit anderen  WächterInnen und BegleiterInnen auszutauschen: dazu laden regelmäßige Sharing meetings, die Eröffnung am 23. Jänner 2020 und der Abschlussakt am 31. Dezember 2020 ein.

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Ort

In weiten Teilen der Stadt gut sichtbar – und von innen beleuchtet – positioniert sich das Shelter, die temporäre Architektur im Sinne einer geschützten Aussichtsplattform am Schlossberg. An der Südwestecke des Herbersteingartens direkt unter dem Uhrturm, erbaut im Zuge der Neubefestigung des Schlossberges. Die Auswahl dieses Ortes erfolgte in Reflexion und in intensiver Beschäftigung mit dessen identitätsstiftender Bedeutung als historisches und denkmalgeschütztes Herzstück der Stadt und ihren BewohnerInnen. Mit seiner Position hoch über der Stadt gibt das Shelter weite Blicke über Graz und das Umland frei.

Kreation

Joanne Leighton / WLDN

Die künstlerische Praxis Joanne Leightons basiert auf der Einbindung des Zuschauers und auf dem interdisziplinären Austausch von Choreografie und Künsten. Für La Strada arbeitete sie 2019 bereits mit 76 GrazerInnen zusammen an der Performance „Made in Graz“ auf der Passamtswiese. In der Oper Graz kam es bei „9000 Steps“ live zum Zusammenspiel zwischen STUDIO PERCUSSION graz rund um Günter Meinhart und sechs professionellen TänzerInnen von WLDN/Joanne Leighton auf einem Teppich aus Salz zu Steve Reichs Drumming.

Ihre Arbeiten suchen einen radikalen Zugang zur Annäherung an Besitz und Urheberschaft im zeitgenössischen Tanz. Leighton sucht nach neuen Wegen über etwas nachzudenken, zu arbeiten und darzustellen.

Gemeinsam mit dem Australian Dance Theater in Melbourne gründet Joanne Leighton 1987 ihre erste Tanzkompagnie. Es folgen weitere Stationen: London, Le Havre und Brüssel, wo sie schließlich Anne Teresa De Keersmaker, Wim Vandekeybus und Michèle Anne De Mey kennenlernt. 1994 gründet sie ihre Compagnie Velvet und unterrichtet darüber hinaus an zahlreichen choreografischen Zentren und bei anderen Compagnien. Ihre pädagogische Arbeit führt 2008 zur Gründung ihres Projekts „Mobile“, ein Unterrichtsformat für TänzerInnen, Laien und Jugendliche. 1994 und 2010 erhielt Joanne Leighton den rennomierten SACD-Preis. Im März 2010 wurde Joanne Leighton künstlerische Leiterin des nationalen choreografischen Zentrums in Belfort/ Centre Chorégraphique National de Belfort. Seit 2018 wirkt sie in leitender Funktion für SACD (French Society of Composer and Dramatic Authors).

Geschichte

Joanne Leighton hat dieses Projekt 2011 für die französische Stadt Belfort, unweit von Freiburg, konzipiert und realisiert. Es folgten daraufhin die Städte Rennes, Hagenau, Freiburg, Evreux, Dodrecht. Das Besondere und Einzigartige an The Graz Vigil ist die intensive Beschäftigung mit dem Ort, dem Schlossberg als identitätsstiftendes und historisches Herzstück der Stadt und ihren BewohnerInnen. Und die langjährige Kollaboration mit der Architekturfakultät der Technischen Universität Graz. Für das ortsspezifische Design zeichnet Masterstudent Alexander Krischner verantwortlich in Zusammenarbeit und unter dem Mentorship des Architekten-Duos Tovo+Jamil, das bisher das jeweilige Design der temporären Installation konzipierte.

Design

Tovo+Jamil

Tovo+Jamil sind die Architekten Benjamin Tovo und Nounja Jamil, die für und gemeinsam mit Joanne Leighton vor The Graz Vigil bereits sieben Mal das jeweils ortssezifische Design entwarfen. Beide haben ihr Studium an der École Nationale Supérieure de Création Industrielle (ENSCI – les Ateliers) unter dem französischen Architekten Jean-Paul Philippon absolviert.

In Kooperation mit verschiedenen anderen Architekten, Szenographen oder Grafiker arbeiten Tovo+Jamil immer wieder an architektonischen Umgestaltungen sowie der Kreation temporärer oder permanenter Ausstellungen. Ihre Tätigkeiten als bildende Künstler und Lehrende ermöglichen ihnen ein ganzheitliches Verständnis von Kreation und führte zur Zusammenarbeit mit der Choreografin Joanne Leighton.

Alexander Krischner, Architekturfakultät der Technischen Universität Graz, Institut für Gebäudelehre

Alexander Krischner befindet sich im Masterstudium der Architektur an der Technischen Universität Graz. Er absolvierte die Anzenberger Meisterklasse Fotografie und ist seit 2013 als selbstständiger Fotograf in den Bereichen Architektur, Portrait und Werbung tätig.

Initiiert von La Strada und im inhaltlichen Austausch entstand im Rahmen einer universitären Übung 2016 „Ein Pavillon für Graz Reininghaus“ sein Modell Das Dorf. Er wird dieses im Rahmen seiner Masterarbeit bei Associate Professors Andreas Lechner und im Kontext des Kulturjahres zur Umsetzung bringen. Es bildet eine kommunikative und architektonische Achse zwischen dem Community Art-Projekt The Graz Vigil in der Innenstadt und dem neu entstehenden Stadtteil Reininghaus.

Im Oktober 2019 erhielt er für die architektonische Neuinterpretation seines großelterlichen Hauses in der Kategorie „Zu- und Umbauten“ den Holzbaupreis Steiermark. „Entstanden ist „eine Kunst der Fuge, die das Miteinander von Alt und Neu achtungsvoll verbindet.“ – so die Jury.