05:51 | Heidi Kleinhappl

Voll Vorfreude auf den Sonnenaufgang, der laut Internet um 05:50, also 1‘ vor Start meiner „Vigil-Stunde“ beginnen würde, war ich anfangs etwas enttäuscht, dass sich die Sonne nicht blicken ließ „Kein Verlass auf das Internet“ 🙁
Der Himmel war nur blassrosa gefärbt, die ganze Stadt schlief noch – oder zumindest wirkt der Shelter gut gegen Geräusche isoliert.
Als ich mich an markanten Gebäuden zu orientieren begann, erkannte ich plötzlich am Horizont die Kirchtürme der Maria-Troster-Kirche.

Wie zur Belohnung, dass ich mich mit der Situation abgefunden und beschlossen habe, sie auch ohne Sonnenaufgang zu genießen, erschien sie plötzlich, die glühend rote Kugel voll Energie & Freude – für mich jedesmal aufs Neue ein magischer Moment.
Mit der Sonne erwachte auch die Stadt und plötzlich gab es eine Geräuschkulisse, die leicht anschwoll und wieder verebbte – wie Meeresrauschen.
Positionswechsel. Richtung Westen:
Der Shelter gibt ein enormes Gefühl von Sicherheit – meine Höhenangst war wie weggeblasen und ich traute mich mit gutem Gefühl ganz nah direkt an die Scheibe (entdeckte dabei den Abdruck einer Wange – oder doch Daumenballen?)
Graz aus der Meta-Position wahrzunehmen war sehr beeindruckend und plötzlich konnte ich etwas nachvollziehen, was für mich zuvor unvorstellbar war: das Gefühl eines suizidalen Menschen, der sich aus großer Höhe hinunterstürzt: Weite – Freiheit – Befreiung …
Es gab noch unzählige Eindrücke und es hätte noch viel mehr wahrzunehmen gegeben, aber die Zeit verging wie im Flug und es ist auch nicht mehr genug Platz auf der Seite – gerade noch, dass ich den netten Jogger, der mir fröhlich winkte erwähnen kann und die Wespe, die mir von Außen nichts anhaben konnte …
Resümee: sosehr ich es anfangs als Morgenmuffel bereute, diese Uhrzeit gewählt zu haben, so überwältigt und begeistert bin ich nun.