19:29 | Ursula Keutmann

Heute Abend bewache ich die Stadt. Wächterin bin ich. Was ist das? Was tue ich? Aufpassen? Auf wen?

(…)

Ich mache Spaziergänge auf vertrauten Wegen. Und doch ist alles neu aus dieser Perspektive. Und wohl auch auf der Basis meiner Gestimmtheit. Dunkelheit legt sich über die Stadt. Straßenlaternen beginnen sanft ansteigend Perlenschnüren gleich Liinien auf die Stadt zu malen.
Wo sind die Menschen? Es ist Sonntag. Kaum eines der vielen Fenster lässt BewohnerInnen erahnen. Das Uhrwerk unter meinem Uhrturm-Wächterzimmer rumpelt kräftig. Die Uhr schlägt neun.
Wächterin war ich über die Stadt.
Nein, nicht aufgepassst habe ich. Bewacht habe ich Häuser und Straßen unter mir wie man am Bett eines Kindes wacht bis es ruhig schläft.